Rabbiner Shlomo Sajatzrabinner-sholomo-sajatz

  • •  Geboren in der Ukraine, Dnepropetrowsk
  • •  Mit 11 Jahren Umsiedlung nach Deutschland
  • •  Schulabschluss und Jeshiva Studium in Berlin
  • •  Jeshiva Studium in Israel
  • •  Leiter des Morasha Projekts in Hamburg
  • •  Projektleiter und Lehrer in dem Tora Zentrum Leipzig
  • •  Studium an dem Rabbiner Seminar zu Berlin
  • •  Studium der jüd. Sozialarbeit
  • •  Refernt bei J-Comunity/ J-Academy
  • •  Gründungsmitglied des Morasha e.V.

 

 

Das besondere an unserer über 3000 Jahren alten Tradition, war es schon immer, dass es keine falschen oder schlechten Fragen gibt. Das Judentum hat sich nie vor Fragen gescheucht oder versteckt. Gerade aus dem Grund, weil das Judentum immer bereit war alles wiederholt zu hinterfragt und nichts als selbstverständlich wahrzunehmen, hat die jüdische Tradition es in jeder Generation geschafft sich weiter zu entwickeln und nicht zu erstarren. Daraus resultierten viele Antworten auf gesellschaftliche, politische und alltägliche Herausforderungen, die in jeder Generation ihre Spur hinterlassen haben. Als Rabbiner in einer Gemeinde, sehe ich es als meine Aufgabe diese lebendige Tradition weiterzutragen und diese mit allen Menschen zu teilen. Rabbiner Shlomo Sajatz
 

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Warum wurde der Erste Tempel ausgerechnet in Jerusalem gebaut?
Um zu verstehen, warum der Erste Tempel ausgerechnet in Jerusalem gebaut wurde, müssen wir zunächst verstehen, was die Funktionen eines Tempels sind. Anschließend müssen wir uns überlegen, was der Kern Jerusalems ist und warum eben diese Stadt dazu geeignet ist, um einen Tempel in ihr zu bauen. Aus dem Buch „Nezah Israel“ (Kapitel 4) von Maharal (Rabbi Jehuda ben Bezal´el Löw aus Prag) geht hervor, dass der Tempel hauptsächlich zwei Funktionen hatte: 1. Dies war der Ort, an dem sich die Schechina befand (die „Wohnstatt“ G“ttes), 2. Dank des Tempels war das jüdische Volk vereint: sie hatten einen Altar, einen „Kohen Gadol“ (Hohepriester), und drei Mal im Jahr (zu Pessach, Schawuot und Sukkot) versammelte sich das ganze Volk im Tempel.
Nun versuchen wir nachzudenken, worin der Kern Jerusalems liegt, worin sich die Stadt von anderen unterscheidet. Iwrit drückt das Wesen der Dinge aus. Um das Wesen der Dinge zu verstehen, muss man versuchen zu verstehen, was der Begriff im Iwrit ausdrückt. Wenn wir verstehen wollen, was das Besondere an Jerusalem ist, dann sollten wir uns dem Namen der Stadt widmen.
In der Tora wird der Name „Jerusalem“ nicht ein Mal erwähnt. Erstmals finden wir diesen Namen im Buch Joschua (10,1). In der Tora wird die Stadt anders genannt: Ir-e und Salem. Ir-e – da es geschrieben steht (Bereschit 22,14): „Und Abraham gab diesem Orte den Namen Jehova wird ersehen; daher heutigen Tages gesagt wird: Auf dem Berge Jehovas wird ersehen werden.“ Jerusalem trägt diesen Namen deshalb, da hier die Menschen unter einem besonderen „Beobachtung“ des Allmächtigen stehen. Salem („vollkommen“, „ganz“) wurde die Stadt genannt im nächsten Psalm (Bereschit 14,18): „Aber Melchisedek, der König von Salem…“. Jerusalem wurde deshalb so benannt, da seine Bewohner vollkommen in ihren Qualitäten unter einander in Frieden (schlemut) und Einheit (s. Meshech Chochma 22,14) lebten.
Die Midrasch (Bereschit Rabba 56,10) besagt, dass das Wort Jerusalem aus folgenden zwei Bezeichnungen besteht: Ir-e und Salem. Deshalb kombiniert Jerusalem diese zwei Eigenschaften: 1. Hier gibt es eine besondere „Beobachtung“ vom Allmächtigen und 2. Die Bewohner verfügen über besondere Qualitäten die ihnen helfen in Frieden und Einheit unter einander zu leben. Da die grundlegenden „Funktionen“ des Tempels der Dienst als Schechina und die Vereinigung aller Juden ist, gibt es keinen geeigneteren Ort, als Jerusalem.
Wie und wann muss das Gedenkgebet Jiskor gelesen werden? Darf man das Lesen des Gebets in Auftrag geben?
An welchen Tagen genau wird Jiskor gelesen?
Jiskor wird an Jom Kipur, Schawuot, am letzten Tag des Pessach und Sukkot (außerhalb der Grenzen Israels am zweiten Tag) gelesen.

Warum wird Jiskor ausgerechnet an diesen Tagen gelesen?
An Jom Kipur wird der Verstorbenen erinnert, da es ein Tag der Sühne auch für sie ist. Deshalb ist der richtige Name des Festes auf Iwrit „Jom a-Kipurim – Tag der Sühne“, Sühne der Sünden von lebenden Menschen und Sühne der Sünden der Verstorbenen. Da die Lebenden vor Jom Kipur Opfer geben, um ihre wertvollen Taten zu mehren, ist es üblich Geld zu spenden auch im Namen der Verstorbenen. Denn wenn sie noch am Leben wären, würden sie für sich selbst opfern bzw. spenden.
Was die Feiertage betrifft, so musste in den Zeiten des Tempels jeder ein entsprechendes Opfer bringen, doch wenn es keinen Tempel gibt, so ist es üblich Opfer auch im Namen der Verstorbenen zu bringen.

Wie und in welchem Teil des Gebetes wird Jiskor gesprochen?
Jiskor wird nach dem Vorlesen aus der Torah gesprochen, damit der Verdienst des Lesens aus der Torah als Schutz für die Verstorbenen dient.
Um das „Böse Auge“ zu umgehen, ist es üblich, dass diejenigen, deren Eltern noch am Leben sind, die Synagoge während des Sprechens des Jiskors verlassen.
Während Jiskor gesprochen wird, ist es üblich zu stehen.

Ist es notwendig das Gebet Jiskor in der Synagoge zu sprechen?
Diejenigen, die nicht in die Synagoge kommen können (z.B. Frauen mit kleinen Kindern), können Jiskor Zuhause allein lesen, da es für Jiskor keinen Minjan benötigt (die Anwesenheit von zehn Juden).

Muss man Jiskor unbedingt selbst aussprechen?
Derjenige, der aus irgendwelchen Gründen Jiskor nicht selbstständig aussprechen kann, kann jemanden bitten, es für ihn auszusprechen. Damit es zählt, dass die Person das Gebet selbst gelesen hat, muss die Person für die das Gebet gelesen wird, die Vorlesende Person für das Lesen des Gebets bezahlen. Man kann das Lesen des Jiskor auch auf unserer Website in Auftrag geben (s. unten).
Wie hoch ist üblicherweise die Summe, die man spenden sollte, damit die Seele der Verstorbenen sich erhebt?
Die Summe muss die Person selbst festlegen, je nach seinen Möglichkeiten. Natürlich ist die

Wohltat umso größer, je größer die Summe ist.
Im Verlauf welchen Zeitrahmens ist es möglich die während des Jiskor versprochene Spende für die Erhebung der Seele des Verstorbenen zu übergeben?
Ein untrennbarer Teil des Gebets Jiskor ist das Versprechen für die Erhöhung der Seelen der Verstorbenen zu spenden. Es muss gesagt werden, dass der Mensch dieses Versprechen abgibt bli neder, d.h. diese Versprechen hat nicht den Status eines Schwurs. Denn, wenn die Person aus irgendeinem Grund das Versprechen nicht einhalten kann oder sich mit der Zahlung verspätet, dann wäre dies ein gebrochener Schwur.
Selbst wenn das Versprechen den Status eines Schwurs hat, wenn die Person die Spende nicht tätigt, dann hilft er den Seelen der Verstorbenen nicht sich zu erheben.

Ist es möglich das Opfer/die Spende zuvor zu tätigen?
Es ist möglich die Spende vorher zu tätigen. Dann muss man im Gebet Jiskor sagen: „Lass die Opfer, die ich gab, Verdienst des nahen Verstorbenen sein.“

Wie verhält sich das Judentum zum Feiertag des 8.März?
Die Geschichte dieses Feiertags beginnt mit der Demonstration, die von Frauenarbeiterinnen in den USA im Jahre 1857 veranstaltet wurde. Sie forderten die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine Lohnerhöhung. Die Demonstration wurde von der Polizei unter Gewaltanwendung aufgelöst, doch einige Jahre zuvor wurde die Bewegung für Frauenrechte gegründet. Nach einiger Zeit wurde der 8.März als internationaler Tag der Frauen von den meisten Ländern der Welt anerkannt.
In der Britischen Enzyklopädie, der Encyclopedia Britannica – einer der anerkanntesten in der Welt, wird dieser Tag als der Tag bezeichnet, an dem Frauen ihre Rechte zuerkannt worden sind. An diesem Tag ist es üblich Frauen etwas zu schenken, üblicherweise Blumen.
Verständlicherweise ist dieser Tag dort von Nöten, wo es an den übrigen Tagen des Jahres an Respekt gegenüber den Errungenschaften der Frauen mangelt und dort, wo ihre Rechte nicht geachtet werden. Doch das Judentum braucht solch einen Tag nicht, denn wir achteten schon immer hohe Frauen und ihre besonderen Stellungen in der jüdischen Geschichte. Die meisten jüdischen Feiertage erinnern Wunder, die der Allmächtige vollbracht hat, dank der Verdienste der Frauen. Pessach – in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, der dem Volk gelang dank der Verdienste der reinen Frauen dieser Generation (Talmud, Traktat Sota 11 b), Chanukka – in Gedenken an das Wunder, das Geschah dank der Verdienste von Judith, Purim – dank der Verdienste der Königin Esther. Und da diese Feiertage nur durch die Verdienste von Frauen entstanden sind, so sind Frauen verpflichtet die Gebote dieser Feiertag einzuhalten (Talmud, Traktat Psachim 108 b), obwohl Frauen üblicherweise von der Einhaltung von Geboten befreit sind, die an bestimmte Zeiten gebunden sind. Zudem legt im Judentum die Torah dem Ehemann auf, seiner Frau zu Feiertagen neue Kleider und Schmuck zu kaufen. Der Talmud unterstreicht ebenfalls, wie wichtig es ist der Frau Geschenke zu kaufen jedes Mal, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt (s. Jewamot 63a). Das einzige, das in der Wüste mit Manom zusammenfiel, – Schmuck.

Des Weiteren befahlen die Weisen sehr vorsichtig im Umgang mit den Rechten der Frauen zu sein, denn mit den rechten des Mannes (s. Baba Metzia 59a). Und sie befahlen sich eher davor zu hüten Frauen zu beleidigen, denn Männer. Die Strafe für die Kränkung der Würde einer Frau kommt früher, als für die Kränkung der Würde eines Mannes (s. eben dort).
Und Rambam schreibt (Gesetze zum Eheleben 15, 19): „Die Weisen befahlen, dass ein Ehemann seine Frau ehren soll mehr als sich selbst, und sie lieben soll, wie er seine eigene Person liebt. Wenn er über die finanziellen Ressourcen verfügt, so soll er ihr Gutes bieten seinen Mitteln entsprechend. Er soll sie nicht in Schrecken versetzten. Er soll sanft mir ihr sprechen, ohne Ungeduld oder Zorn.“


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