Rabbiner Shlomo Sajatzrabinner-sholomo-sajatz

  • •  Geboren in der Ukraine, Dnepropetrowsk
  • •  Mit 11 Jahren Umsiedlung nach Deutschland
  • •  Schulabschluss und Jeshiva Studium in Berlin
  • •  Jeshiva Studium in Israel
  • •  Leiter des Morasha Projekts in Hamburg
  • •  Projektleiter und Lehrer in dem Tora Zentrum Leipzig
  • •  Studium an dem Rabbiner Seminar zu Berlin
  • •  Studium der jüd. Sozialarbeit
  • •  Refernt bei J-Comunity/ J-Academy
  • •  Gründungsmitglied des Morasha e.V.

 

 

Das besondere an unserer über 3000 Jahren alten Tradition, war es schon immer, dass es keine falschen oder schlechten Fragen gibt. Das Judentum hat sich nie vor Fragen gescheucht oder versteckt. Gerade aus dem Grund, weil das Judentum immer bereit war alles wiederholt zu hinterfragt und nichts als selbstverständlich wahrzunehmen, hat die jüdische Tradition es in jeder Generation geschafft sich weiter zu entwickeln und nicht zu erstarren. Daraus resultierten viele Antworten auf gesellschaftliche, politische und alltägliche Herausforderungen, die in jeder Generation ihre Spur hinterlassen haben. Als Rabbiner in einer Gemeinde, sehe ich es als meine Aufgabe diese lebendige Tradition weiterzutragen und diese mit allen Menschen zu teilen. Rabbiner Shlomo Sajatz

Fragen Sie den Rabbiner

Was ist das Kaddisch und warum muss man es sagen? Und wie sagt man es richtig?

In ausnahmslos allen jüdischen Gemeinden ist es üblich das Kaddisch für verstorbene Eltern zu sagen.  Üblicherweise wird das Kaddisch gesprochen innerhalb von 11 Monaten nach dem Tod und dann jährlich jeweils zum Todestag. Dank des Kaddisch, das für den Verstorbenen ausgesprochen wird, kann seine Seele sich vom Gehinom (R´mo, Jore Dea 378) befreien. Der Rabbiner Isaak Luria (Schaar a-Kawanom S. 15 6) schreibt, dass das Kaddisch nicht nur die Seele des Verstorbenen vom Gehinom befreien kann, es kann sie sogar zum Gan Eden erheben.

Eine der früheren Erwähnungen der unmittelbaren Wirkung des Kaddisch auf die Seele des Verschiedenen findet sich im Midrasch Tana be-wzej Elujahu. Dort wird die Geschichte des Rabbi Johannan ben Sakkai (es gibt eine ähnliche Geschichte über Rabbi Akiba, die in anderen Midrasch erwähnt wird) erzählt. Eine kurze Zusammenfassung der Geschichte.

Rabbi Johannan ben Sakkai sagte:

Eines Tages ging ich einen Weg entlang und traf einen Menschen, der Brennholz sammelte. Ich sprach ihn an, doch er antwortete mir mit keinem Wort. Erst später kam er zu mir und sagte: „Rabbi, ich bin ich tot, nicht lebend.“

Ich antwortete: „Wenn du tot bist, wozu brauchst du dann das Brennholz?“

Er antwortete: „Rabbi, höre mich an und ich werde es dir erklären. Als ich noch am Leben war, haben wir mit meinem Freund gemeinsam Tage verbracht, wie im Fluge, alle Gebote brechend. Deshalb wurden wir, als wir vor dem Allmächtigen standen zum Verbrennen verurteilt. Ich sammle das Brennholz für das Feuer, auf dem mein Freund brennt. Dann sammelt er das Brennholz und ich brenne.“

Dann fragte ich ihn: „Hat man euch gesagt, wie lange eure Bestrafung andauern soll?“

Woraufhin er antwortete: „Als ich hierher kam, ließ ich meine Frau schwanger zurück. Ich weiß, dass sie einen Jungen erwartet. Deshalb bitte ich dich, kümmere dich um ihn, ab dem Moment seiner Geburt und wenn er fünf Jahre alt wird, führe ihn zur Schule, damit er lernt zu lesen und zu beten. Denn wenn er sagt: „Ba´chu et Adonai!“, werde ich aus dem Gehinom emporgehoben.“

Wenn man sich genauer in den Text des Kaddisch hineinliest, kann sich durchaus eine Frage stellen: „Auf welche Weise kann das Kaddisch der Seele des Verschiedenen helfen? Denn in diesem ist kein Wort über den Verstorbenen oder die Erinnerung an ihn?“. Tatsächlich, das Kaddisch spricht nur vom Allmächtigen und der Verbreitung seines Ruhms in der Welt. Die ersten Worte des Kaddisch sind: „Jidgaddal wejiskaddasch sch´me rabbo“ gründen auf den Dichtungen aus dem Buch des Propheten Ezechiel (38:23). Der Höhepunkt des Kaddisch ist der Ausruf: „Jehe sch´me rabbo me´worach leolsm ulólme olmajo. Jisborach we´jischtabach w´hispoar w´jisraumem, w´jisnasse.“ Wie bekannt ist, kommt der Mensch auf die Welt dank des Willens des Allmächten und im Laufe seines Lebens sollte er die ihm gestellten Aufgaben erfüllen diese Welt zu verbessern. Die individuellen Aufgaben eines jeden sind Teil eines Sinns des Schöpfers in Verbindung zum jüdischen Volk als Ganzes – der Offenbarung des Namens und des Ruhms des Schöpfers auf dieser Welt. Deshalb, wenn ein Mensch aus dieser Welt scheidet, bleibt so etwas wie ein unerfüllter Raum in diesem g“ttlichen Plan. Und wenn für einen Verstorbenen ein Kaddisch gelesen wird, in dem über die Offenbarung des Ruhms des Allmächtigen gesprochen wird, dann wird dieser „unerfüllte Raum“ wieder gefüllt. Es ist üblich, dass der Sohn das Kaddisch für seine Eltern liest. Doch wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, dann darf ein anderer darum gebeten werden. Es ist wünschenswert, dass der Sohn dafür bezahlt, denn nur in diesem Fall zählt das Lesen des Kaddisch von einem anderen Menschen für ihn als erfüllte Pflicht gegenüber seinen Eltern. 

Was sagen Sie zu den wundersamen Heilungen durch Ikonen und Reliquien?

Heilen tut im Endeffekt immer der Schöpfer. So wie alles auf dieser Welt am Ende immer Er vollbringt. Nur handelt Er üblicherweise nicht den Naturgesetzen entgegen und entsprechend der Wahl des Menschen, sondern durch für uns natürlich erscheinende Erscheinungen und Taten in ein „Ornat gehüllt“. G“tt gibt uns ein Heim und Nahrung, bewegt uns, wohin es notwendig ist. Wie genau? Er gibt uns Ideen und die Fähigkeit diese umzusetzen als Ackerbauer und Bäcker, Architekten und Baumeister, Erfinder, Ingenieur, Lokführer und Flugkapitän. Jeder von ihnen bekommen von Ihm die Möglichkeit seine Arbeit zu tun und auf diese Weise mit „Ihm gemeinsam“ daran zu arbeiten die Welt zu vervollkommnen und sich deshalb nützlich zu fühlen, ein Ergebnis zu erzielen. Des Weiteren besser zu werden, anderen helfend, sich selbst zu vervollkommnen.

Solch eine Möglichkeit hat auch ein Arzt. G“tt heilt uns durch seine Hände. Ohne Seine Hilfe würde dem Arzt nichts gelingen, was die Fälle bestätigen, in denen falsche Diagnosen gestellt wurden und Operationen nicht gelangen. (Auch dies geschieht durch Seinen Willen und Berechnungen, die uns bei Weitem nicht immer begreifen können.) Auf diese Weise zeugen alle wissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen von der Erhabenheit G“ttes, der die erstaunlichen Gesetze der Natur erschaffen hat und die Möglichkeiten diese zu nutzen, aber auch der den Menschen die genialen Ideen gegeben hat und die Fähigkeiten das zur „Realität zu machen“, was ein Märchen zu sein schien.

Manchmal und in unserer Welt, wo die Taten G“ttes in die Gesetze der Natur „gehüllt“ sind, kann man diese dennoch erkennen. Denn sie sind zu erstaunlich und zu dünn „verhüllt“. Und dann spüren wir, dass es lediglich Kleider sind, die Jemandes Hände verhüllen.

Zum Beispiel ist solch eine Erscheinung der von Ihnen erwähne Placeboeffekt. In der modernen Welt vollführt „G“tt keine offensichtlichen Wunder, deshalb „passt“ dieser Effekt in das System der erklärbaren Naturgesetze, durch die G“tt handelt. Denn dieser Effekt, ist ein psychologischer und Psychologie ist Teil der Wissenschaft. So ist die Natur des Menschen: auf ihn kann sowohl eine Medizin einwirken, oder die Suggestion, dass die Medizin eingenommen wurde. Im letzteren Fall nimmt der menschliche Verstand und der moralische Zustand einen erstaunlichen Einfluss auf den Zustand des Körpers, obwohl sie auf den ersten Blick nicht mit einander verbunden sind.

Welchen Unterschied macht es für die kranken Zellen, ob der Mensch an eine Genesung glaubt oder nicht? Warum wirkt sich der geistige Zustand überhaupt auf die körperliche Gesundheit aus? (Wenn man dem Menschen suggeriert, dass dieser Gift zu sich genommen hat, dann wird er krank. Dies ist der Noceboeffekt. Auf eine ähnliche Weise wirkt sich Pessimismus und Verzweiflung aus, wenn der Mensch die Hoffnung verliert und seine Stimmung sich senkt.) Dennoch, es wirkt. Und wenn dies von irgendetwas zeugt, dann von der erstaunlichen Einigkeit und wechselseitiger Bedingtheit aller Einzelteile der Welt, von ihrer Zugehörigkeit zu einem veranlagten System. Und dies führt zu dem Gedanken, dass sie nach einem Plan erschaffen wurden – von Einem Schöpfer.

In der Vergangenheit vollbrachte G“tt allerdings offenkundige Wunder, auf dem damaligen Stadium war es notwendig, um unseren Glauben zu stärken. Ein Beispiel ist ein von Ihnen erwähntes Ereignis (Bemidbar 21:4-9): nachdem die Juden sich abermals schuldig machten, schickte G“tt Schlangen, die sie bissen, doch dann zeigte Mosche das Mittel zur Rettung: man muss eine Schlange machen, auf denjenigen schauend, die gebissenen Menschen gesundeten. Auf welche Weise?

Fragt der Talmud (Mischna im Traktat Rosch haSchana 29a): heilen oder töten denn kupferne Schlangen? Und er antwortet: nein, denn der Sinn lag nicht darin, sondern: als Juden sich an G“tt erinnerten und Reue empfanden, dann wurden sie geheilt, im umgekehrten Fall verstarben sie. Tatsächlich heilten nicht die Abbildung (die Statue) der Schlange, sondern G“tt.

Warum befahl er dann überhaupt eine Schlange anzufertigen? Diese Frage stellt Ramban (Kommentar zu Bemidbar 21:9) und antwortet: so vollbrachte G“tt ein Wunder auf zweifache Weise. Denn der Mensch, der von einem Tier gebissen wurde, verträgt natürlicherweise den Anblick des Tieres nicht. Wenn zum Beispiel jemanden ein Hund gebissen hat, so hat das Erscheinen eines Hundes – oder gar eine Abbildung oder die Erwähnung – eine negative Wirkung von diesem Moment an auf diese Person, ruft sozusagen eine „allergische“ Reaktion aus. So sollte auch das Bild der Schlange bei den Menschen, die von einer Schlange gebissen wurden, eine negative Reaktion auslösen, ihren Zustand verschlechtern – doch im Gegenteil, sie gesundeten! So demonstrierte G“tt, dass es nicht an den Naturgesetzen, sondern an der Reue und Nähe zu ihm lag. Also hatten die Schlangen keine „wundersamen“ Eigenschaften an sich: im Gegenteil, das Wunder kam nicht durch die Schlange, sondern im Gegenteil entgegen ihm – von G“tt.

Zum Schluss, der von Ihnen erwähnte Fall mit den Gebeinen des Propheten Elischa: der Körper eines Verstorbenen glitt bei der Bestattung zu den Gebeinen von Elischa hinunter und die berührend, „lebte der Verstorbene wieder auf und stand auf“ (Melachim II 13:21). Auch hier helfen die Erklärungen des Talmuds (Sanedrin 47a): er „lebte lediglich auf und stand auf“, jedoch kehrte er nicht nach Hause zurück. D.h., er kehrte nicht wirklich ins Leben zurück. Denn tatsächlich war er ein Sünder, ein falscher Prophet. Und er lebte und stand auf nur, da er es nicht würdig war beerdigt zu werden neben einem Heiligen und wahren Propheten Elischa. Deshalb, als sein Körper die Gebeine des Propheten berührten, vollbrachte G“tt dieses Wunder, damit der Sünder nicht an diesem Ort beerdigt blieb.

Auf diese Weise ist hier gar nicht die Rede von einem wundersamen Auferstehen oder einer Heilung durch die Gebeine des Propheten.

Doch gerechterweise soll hier auch eine andere Auslegung dieses Ereignisses erwähnt werden, die in den Kommentaren angeführt wird: der Mensch lebte wahrlich wieder auf, doch war er ein großer Heiliger. Entsprechend dieser Auslegung war seine Auferstehung eine Erfüllung des Versprechens des Propheten Elija, dass der Geist G“ttes, der auf ihm lag, Elija, wird auf seinem Schüler und Nachfolger, Elischa, doppelt liegen (ebd. 2:9). Elija ließ auf wundersame Weise einen Menschen auferstehen – den Sohn einer Frau aus Serepta (Melachim I Kap. 9), und Elischa zwei – einen zu seinen Lebzeiten – einen Sohn einer Frau aus Schunema (Melachim II Kap.4), und den anderen nach seinem Ableben.

Und auferstehen lassen haben nur diese zwei Propheten. Weder vor, noch nach ihnen sind uns Begebenheiten dieser Art bekannt, obwohl es vor und nach ihnen große Propheten gab, im gewissen Sinne auch größere, als diese beiden. Denn davor gab es Moses – der „Vater der Propheten“, dessen Stand der Höchste war. Es gab ebenfalls Schmuel, der auf seine Weise „Moses ebenbürtig war und seinem Bruder Aaron, zusammengenommen“. Doch weder Moses, noch Schmuel konnten auf ähnliche Weise Tote auferstehen lassen. Deshalb ist es offensichtlich: jeder Prophet hat seine Rolle, und Elija und Elischa waren einzigartig in dem, dass G“ott durch ihre Verdienste diese Wunder vollbrachte. Nach ihnen vollführte kein Prophet solche Taten und so ist es offensichtlich, dass es hier keinen Beweis für einen „wundersamen“ Einfluss der Gebeine des Propheten gibt.

Doch aus der Tora (Bemidbar 19) ist klar, dass der Körper jedes beliebigen Verstorbenen, auch eines Heiligen bei Lebenszeiten, eine rituelle Unreinheit (muma) an den übergibt, der ihn berührt und es benötigt einen komplizierten Prozess der Reinigung. Deshalb müssen Kohanim -„Priester“, die über eine besondere Heiligkeit verfügen, die rituelle Unreinheit meiden und sich von Toten fernhalten (Wajikra 21:1) und überhaupt von Friedhöfen und Krankenhäusern. So viel zu „Wundern“. (Und Ikonen kommen hier in den erwähnten Begebenheiten nicht vor, welche Beweise sollte es da geben.)

Im Ganzen war die Anwesenheit G“ttes in der Epoche der Tora offenkundiger, daher vollbrachte Er von Zeit zu Zeit Wunder – mit unterschiedlichen „Mitteln“ und die Menschen konnten von Ihm direkte Botschaften empfangen durch eben diese Propheten. Doch seitdem haben sich die Zeiten geändert: es gibt schon lange keine Propheten mehr und offene Wunder, und G“tt lenkt nach wie vor die Welt durch die Gesetze der Natur. Und durch die ganze Geschichte seit der letzten Vertreibung hindurch, die nun 2000 Jahre andauert, überlebte unser Volk nicht durch offenkundige Wunder, wie die Teilung des Roten Meeres oder die Fertigung einer kupfernen Schlange, sondern durch die reale Unterstützung G“ttes.

Äußerlich herrschten ausschließlich die Gesetze der Natur; mächtige Imperatoren, Kanzler und Generalsekretäre verfolgten und versuchten zu vernichten, anscheinend über die nötigen Mittel dafür verfügend, doch irgendwie haben wir dennoch überlebt. Deshalb ist es an uns, die Heilung nicht in „wundersamen“ Mitteln zu suchen und die Hand G“ttes zu finden und sehen zu lernen hinter den vollkommen „normalen“ Naturereignissen und menschlichen Handlungen. Zu spüren, dass all dies nach Seinem Willen geschieht und von Ihm abhängt. Und für Heilung und Rettung sich unmittelbar und ausschließlich an Ihn zu wenden.

Warum wurde der Erste Tempel ausgerechnet in Jerusalem gebaut?
Um zu verstehen, warum der Erste Tempel ausgerechnet in Jerusalem gebaut wurde, müssen wir zunächst verstehen, was die Funktionen eines Tempels sind. Anschließend müssen wir uns überlegen, was der Kern Jerusalems ist und warum eben diese Stadt dazu geeignet ist, um einen Tempel in ihr zu bauen. Aus dem Buch „Nezah Israel“ (Kapitel 4) von Maharal (Rabbi Jehuda ben Bezal´el Löw aus Prag) geht hervor, dass der Tempel hauptsächlich zwei Funktionen hatte: 1. Dies war der Ort, an dem sich die Schechina befand (die „Wohnstatt“ G“ttes), 2. Dank des Tempels war das jüdische Volk vereint: sie hatten einen Altar, einen „Kohen Gadol“ (Hohepriester), und drei Mal im Jahr (zu Pessach, Schawuot und Sukkot) versammelte sich das ganze Volk im Tempel.
Nun versuchen wir nachzudenken, worin der Kern Jerusalems liegt, worin sich die Stadt von anderen unterscheidet. Iwrit drückt das Wesen der Dinge aus. Um das Wesen der Dinge zu verstehen, muss man versuchen zu verstehen, was der Begriff im Iwrit ausdrückt. Wenn wir verstehen wollen, was das Besondere an Jerusalem ist, dann sollten wir uns dem Namen der Stadt widmen.
In der Tora wird der Name „Jerusalem“ nicht ein Mal erwähnt. Erstmals finden wir diesen Namen im Buch Joschua (10,1). In der Tora wird die Stadt anders genannt: Ir-e und Salem. Ir-e – da es geschrieben steht (Bereschit 22,14): „Und Abraham gab diesem Orte den Namen Jehova wird ersehen; daher heutigen Tages gesagt wird: Auf dem Berge Jehovas wird ersehen werden.“ Jerusalem trägt diesen Namen deshalb, da hier die Menschen unter einem besonderen „Beobachtung“ des Allmächtigen stehen. Salem („vollkommen“, „ganz“) wurde die Stadt genannt im nächsten Psalm (Bereschit 14,18): „Aber Melchisedek, der König von Salem…“. Jerusalem wurde deshalb so benannt, da seine Bewohner vollkommen in ihren Qualitäten unter einander in Frieden (schlemut) und Einheit (s. Meshech Chochma 22,14) lebten.
Die Midrasch (Bereschit Rabba 56,10) besagt, dass das Wort Jerusalem aus folgenden zwei Bezeichnungen besteht: Ir-e und Salem. Deshalb kombiniert Jerusalem diese zwei Eigenschaften: 1. Hier gibt es eine besondere „Beobachtung“ vom Allmächtigen und 2. Die Bewohner verfügen über besondere Qualitäten die ihnen helfen in Frieden und Einheit unter einander zu leben. Da die grundlegenden „Funktionen“ des Tempels der Dienst als Schechina und die Vereinigung aller Juden ist, gibt es keinen geeigneteren Ort, als Jerusalem.
Wie und wann muss das Gedenkgebet Jiskor gelesen werden? Darf man das Lesen des Gebets in Auftrag geben?
An welchen Tagen genau wird Jiskor gelesen?
Jiskor wird an Jom Kipur, Schawuot, am letzten Tag des Pessach und Sukkot (außerhalb der Grenzen Israels am zweiten Tag) gelesen.

Warum wird Jiskor ausgerechnet an diesen Tagen gelesen?
An Jom Kipur wird der Verstorbenen erinnert, da es ein Tag der Sühne auch für sie ist. Deshalb ist der richtige Name des Festes auf Iwrit „Jom a-Kipurim – Tag der Sühne“, Sühne der Sünden von lebenden Menschen und Sühne der Sünden der Verstorbenen. Da die Lebenden vor Jom Kipur Opfer geben, um ihre wertvollen Taten zu mehren, ist es üblich Geld zu spenden auch im Namen der Verstorbenen. Denn wenn sie noch am Leben wären, würden sie für sich selbst opfern bzw. spenden.
Was die Feiertage betrifft, so musste in den Zeiten des Tempels jeder ein entsprechendes Opfer bringen, doch wenn es keinen Tempel gibt, so ist es üblich Opfer auch im Namen der Verstorbenen zu bringen.

Wie und in welchem Teil des Gebetes wird Jiskor gesprochen?
Jiskor wird nach dem Vorlesen aus der Torah gesprochen, damit der Verdienst des Lesens aus der Torah als Schutz für die Verstorbenen dient.
Um das „Böse Auge“ zu umgehen, ist es üblich, dass diejenigen, deren Eltern noch am Leben sind, die Synagoge während des Sprechens des Jiskors verlassen.
Während Jiskor gesprochen wird, ist es üblich zu stehen.

Ist es notwendig das Gebet Jiskor in der Synagoge zu sprechen?
Diejenigen, die nicht in die Synagoge kommen können (z.B. Frauen mit kleinen Kindern), können Jiskor Zuhause allein lesen, da es für Jiskor keinen Minjan benötigt (die Anwesenheit von zehn Juden).

Muss man Jiskor unbedingt selbst aussprechen?
Derjenige, der aus irgendwelchen Gründen Jiskor nicht selbstständig aussprechen kann, kann jemanden bitten, es für ihn auszusprechen. Damit es zählt, dass die Person das Gebet selbst gelesen hat, muss die Person für die das Gebet gelesen wird, die Vorlesende Person für das Lesen des Gebets bezahlen. Man kann das Lesen des Jiskor auch auf unserer Website in Auftrag geben (s. unten).
Wie hoch ist üblicherweise die Summe, die man spenden sollte, damit die Seele der Verstorbenen sich erhebt?
Die Summe muss die Person selbst festlegen, je nach seinen Möglichkeiten. Natürlich ist die

Wohltat umso größer, je größer die Summe ist.
Im Verlauf welchen Zeitrahmens ist es möglich die während des Jiskor versprochene Spende für die Erhebung der Seele des Verstorbenen zu übergeben?
Ein untrennbarer Teil des Gebets Jiskor ist das Versprechen für die Erhöhung der Seelen der Verstorbenen zu spenden. Es muss gesagt werden, dass der Mensch dieses Versprechen abgibt bli neder, d.h. diese Versprechen hat nicht den Status eines Schwurs. Denn, wenn die Person aus irgendeinem Grund das Versprechen nicht einhalten kann oder sich mit der Zahlung verspätet, dann wäre dies ein gebrochener Schwur.
Selbst wenn das Versprechen den Status eines Schwurs hat, wenn die Person die Spende nicht tätigt, dann hilft er den Seelen der Verstorbenen nicht sich zu erheben.

Ist es möglich das Opfer/die Spende zuvor zu tätigen?
Es ist möglich die Spende vorher zu tätigen. Dann muss man im Gebet Jiskor sagen: „Lass die Opfer, die ich gab, Verdienst des nahen Verstorbenen sein.“

Wie verhält sich das Judentum zum Feiertag des 8.März?
Die Geschichte dieses Feiertags beginnt mit der Demonstration, die von Frauenarbeiterinnen in den USA im Jahre 1857 veranstaltet wurde. Sie forderten die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine Lohnerhöhung. Die Demonstration wurde von der Polizei unter Gewaltanwendung aufgelöst, doch einige Jahre zuvor wurde die Bewegung für Frauenrechte gegründet. Nach einiger Zeit wurde der 8.März als internationaler Tag der Frauen von den meisten Ländern der Welt anerkannt.
In der Britischen Enzyklopädie, der Encyclopedia Britannica – einer der anerkanntesten in der Welt, wird dieser Tag als der Tag bezeichnet, an dem Frauen ihre Rechte zuerkannt worden sind. An diesem Tag ist es üblich Frauen etwas zu schenken, üblicherweise Blumen.
Verständlicherweise ist dieser Tag dort von Nöten, wo es an den übrigen Tagen des Jahres an Respekt gegenüber den Errungenschaften der Frauen mangelt und dort, wo ihre Rechte nicht geachtet werden. Doch das Judentum braucht solch einen Tag nicht, denn wir achteten schon immer hohe Frauen und ihre besonderen Stellungen in der jüdischen Geschichte. Die meisten jüdischen Feiertage erinnern Wunder, die der Allmächtige vollbracht hat, dank der Verdienste der Frauen. Pessach – in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, der dem Volk gelang dank der Verdienste der reinen Frauen dieser Generation (Talmud, Traktat Sota 11 b), Chanukka – in Gedenken an das Wunder, das Geschah dank der Verdienste von Judith, Purim – dank der Verdienste der Königin Esther. Und da diese Feiertage nur durch die Verdienste von Frauen entstanden sind, so sind Frauen verpflichtet die Gebote dieser Feiertag einzuhalten (Talmud, Traktat Psachim 108 b), obwohl Frauen üblicherweise von der Einhaltung von Geboten befreit sind, die an bestimmte Zeiten gebunden sind. Zudem legt im Judentum die Torah dem Ehemann auf, seiner Frau zu Feiertagen neue Kleider und Schmuck zu kaufen. Der Talmud unterstreicht ebenfalls, wie wichtig es ist der Frau Geschenke zu kaufen jedes Mal, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt (s. Jewamot 63a). Das einzige, das in der Wüste mit Manom zusammenfiel, – Schmuck.

Des Weiteren befahlen die Weisen sehr vorsichtig im Umgang mit den Rechten der Frauen zu sein, denn mit den rechten des Mannes (s. Baba Metzia 59a). Und sie befahlen sich eher davor zu hüten Frauen zu beleidigen, denn Männer. Die Strafe für die Kränkung der Würde einer Frau kommt früher, als für die Kränkung der Würde eines Mannes (s. eben dort).
Und Rambam schreibt (Gesetze zum Eheleben 15, 19): „Die Weisen befahlen, dass ein Ehemann seine Frau ehren soll mehr als sich selbst, und sie lieben soll, wie er seine eigene Person liebt. Wenn er über die finanziellen Ressourcen verfügt, so soll er ihr Gutes bieten seinen Mitteln entsprechend. Er soll sie nicht in Schrecken versetzten. Er soll sanft mir ihr sprechen, ohne Ungeduld oder Zorn.“


Gerne können Sie Ihre Fragen an Rabbiner stellen: