15 November 2018,
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  1. Palästinenser sind seit langem politisch fleißig und produzieren fast industriell Vorwürfe gegen Israel.
  2. Die palästinensische Propaganda nutzt geschickt antisemitische Klischees in Deutschland aus.
  3. Die palästinensische Gesellschaft ist fast durchgängig politisiert. Senioren, Kinder, Frauen, Studenten, Künstler, Schüler Geschäftsinhaber, Angestellte: alle stellen sich in den Dienst der palästinensischen Sache. An Demonstrationen nimmt die ganze Familien teil.
  4. Sie verfügen über ausreichend Finanzmittel für ihre Kampagnen und Aktionen. Sie erhalten Spenden aus arabischen Ländern und öffentliche Zuschüsse. Wohlhabende und normal verdienende Palästinenser spenden einen festen Prozentsatz ihres Einkommens.
  5. Bundesweit konnten Palästinenser mehrere hundert Organisationen aufbauen, oft getarnt als Hilfsorganisationen, oft in Personalunion mit BDS-Gruppen.
  6. Sie erhalten politische Unterstützung aus linken, teilweise aus grünen Kreisen, manchmal auch von Neonazis.
  7. Ihrer Propaganda wird kaum widersprochen, also geglaubt.
  8. Palästinenser haben in Deutschland die Oberhoheit über die Nahost-Berichterstattung an Universitäten und in den Medien. Ihre Propaganda verbreitet sich eigendynamisch.
  9. Sie sind rhetorisch und politisch geschult in Redaktionen, Parteien, Polizei und Institutionen vorgedrungen
  10. Der informationspolitische und physische Kampf gegen Israel und Juden ist für viele junge Palästinenser und Muslime natürlicher Teil ihres Selbstverständnisses, gibt ihnen Lebenssinn und mobilisiert ihre Energien.

Und wir?

Wir sind gute Staatsbürger. Wir fördern uns Kinder, sorgen für gute Bildung, vermitteln ihnen ethische Werte und unterstützen ihre Karriere. Wir haben gute Freunde, lieben unsere Familie und sind stolz auf Israels Leistungen. Unsere Gemeinden bieten ein reiches Kulturprogramm, vorbildlich in Qualität und Umfang.

Was wir sind, was wir tun und was wir nicht tun, reicht nicht mehr. Seit in Berlin arabische, palästinensische, türkische und andere Demonstranten auf der Straße gebrüllt haben: Hamas Hamas, Juden ins Gas, wissen wir, dass die bürgerliche Party vorbei ist.

Wir wissen es auch, weil die antisemitischen, mordbereiten Brüller unbehelligt blieben. Eine Gruppe erhielt von der Polizei das Megaphon gestellt. Wir wissen es, seit unsere Kinder in der Schule gemobbt werden und Jude bei hirnlosen Schülern als Schimpfwort gilt. Wehe, die hirnlosen werden mehr und älter.

Wir wissen es – und verdrängen. Ein menschlicher Reflex. Nur James Bond lebt zweimal, alle anderen, auch wir, nur einmal und so gut wie möglich. Allerdings lässt man uns nicht.

Bei aller verständlichen Sehnsucht nach bürgerlichem Frieden: Was wir in Deutschland kulturell, sozial und materiell aufgebaut haben, ist real gefährdet. Die Bedrohung unserer Lebensgrundlage wird wachsen. Der „Schulhof-Antisemitismus“ wird wachsen. Öffentliche Bekenntnisse ändern nichts daran. Effektive Hilfe kommt nur von einer Seite: von uns selbst. Beweis: Die Ausstellung „1948.“

Antisemitismus wird nicht von allein aufhören. Antisemitismus besteht aus toxischer Information. Gehässige Artikel in der SZ oder im Spiegel, muslimische Hassprediger, palästinensische Websites, Neonazi-Blogger , sehr linke Agitatoren und die Hirnlosen verbreiten den Virus. Er befällt harmlose Menschen und transformiert sich zu Vorurteilen.

Wenn wir nicht entschlossen und professionell handeln, wenn wir den Virus nur beklagen statt zu bekämpfen, wenn wir uns empören, aber nichts tun, entsteht wieder ein gesellschaftlicher Konsens, der Juden bestenfalls duldet, schlimmstenfalls bedroht.

Und jetzt?

Jetzt stehen wir vor der einfachen Frage: spielen wir weiter den Frosch im langsam wärmer werdenden Gefäß, oder handeln wir, bevor es zu heiß wird?

Nicht alle wollen handeln. Bei der Suche nach Helfern für die Ausstellung „1948“ erlebten wir auch Feigheit, Bequemlichkeit, Fatalismus und Geiz. Bis hin zur Sabotage einzelner Gemeindemitglieder, die keine politische Aktivität wollen. Bis heute kostet uns deren Widerstand Ressourcen.

Die gute Nachricht: Sie sind absolute Ausnahmen. Mehrheitlich haben Gemeindemitglieder engagiert mitgearbeitet und großzügig gespendet. Sonst wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen. Schüler, Geschäftsinhaber, Senioren, Ärzte haben recherchiert, lektoriert und logistisch mitgeholfen. Unterstützung kam vom Vorstand, von der Präsidentin, vom Zentralrat und selbst aus den USA.

Die Ausstellung „1948“ zeigt, dass kämpfen Erfolg bringt. Das Feedback der Besucher ist überwältigend. Aus dem ganzen Bundesgebiet erreichen uns Anfragen. Bis Ende 2019 werden bereits 100.000 Besucher erwartet, darunter viele mit multiplikatorischer Wirkung: Lehrer, Journalisten und Politiker.

Wir sind schreckliche Individualisten und des Öfteren etwas desorganisiert. Aber die Ausstellung „1948“ konnten wir mit einer kollektiven Kraftanstrengung auf die Schiene setzten,  professionell organisiert und im Zeitplan. Jetzt rollt „1948“ durchs Land und immunisiert die Besucher gegen die antisemitische Krankheit. Mehr noch: Viele Besucher wollen mithelfen, die Ausstellung in mehr Schulen, Universitäten, Parlamente und kommunale Einrichtungen zu bringen

Das projüdische und proisraelische Potenzial in Deutschland liegt bei ca. 1 Million Menschen und ca. 300 projüdischen und proisraelischen Organisation. Viel oder wenig? Hängt ganz von der Organisation ab. Koordiniert, können wir mit diesem Potenzial den antisemitischen /antizionistischen Virus in Deutschland besiegen. Mit Rückblick auf die jüngste Geschichte und mit Vorausblick auf die nächsten Jahre müssen wir sogar.

So gewinnen wir

„1948“ ist der Anfang einer zu Ende gedachten, integrierten Strategie. Sie basiert auf dem State oft the Art der Politischen Psychologie, Publik Opinion Building und Kommunikationskonzept. Die „Ausstellung 1948“ schafft das Forum für die nächsten Schritte, darunter

  • – eine Multimediaplattform, mit der wir Millionen erreichen,
  • – ein umfassendes online Stichwortverzeichnis, das die antiisraelische Propaganda widerlegt,
  • – eine Ausbildungsoffensive in den Gemeinden, um informationspolitisches Know-How zu vermitteln,
  • – die Vernetzung innerhalb und außerhalb Deutschlands,
  • – die systematische und konsequente juristische Verfolgung antisemitischer und antizionistischer Härtefälle,
  • – die Gründung von Unterstützergruppen In Stadträten und Landesparlamenten,
  • – und mehr, viel mehr ist bereits in der Pipeline.

Ken, we can. Allerdings unter drei Voraussetzungen:

  1. Neue Priorität. Es reicht schlicht nicht mehr, politische Arbeit irgendwie in den arbeitsintensiven Alltag der Gemeinden und der Gemeindemitglieder zu integrieren. Der politische Widerstand verlangt erstrangig behandelt zu werden.
  2. Bessere Finanzierung. Wir sind mitten in einem antisemitischen Informationskrieg. Der kann nicht auf ehrenamtlicher Basis geführt werden. BDS & Co. sind üppig finanziert.
  3. Mehr Engagement. Wir sind wenige, geben wenig Zeit und können uns am Engagement der palästinensischen Familien in D ein Beispiel nehmen. Aber das beste Beispiel für Zeitopfer sehen wir in Israel. Drei Jahre für Jungen, zwei für Mädchen, unter Lebensgefahr und Strapazen. Können wir von unseren Jugendlichen nicht erwarten, pro Woche ein paar Stunden bereitzustellen? Bequem von zu Hause am Notebook.

Wenn wir diese drei Voraussetzungen erfüllen, gewinnen wir.

Shalom
Leo Sucharewicz
DEIN e.V.