Brith Mila (Beschneidung)

Ein Kind, das von einer jüdischen Mutter geboren wird, gilt nach dem jüdischen Recht als Jude. In der Regel findet am achten Tag nach der Geburt die Beschneidung oder die Aufnahme in den Bund Abrahams statt. „ Ich werde meinen Bund errichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir in allen Geschlechtern als ewigen Bund“ 1. Buch Moses Kap. 17, 10 ff. Bei der Beschneidung erhält der Knabe auch einen jüdischen Namen, mit dem er später bei Eintritt in die religiöse Volljährigkeit zur Thora gerufen wird.

Pidijon Ha-Ben (Auslösung des Erstgeborenen)

Ist der Knabe ein Erstgeborener, so findet am 30. Tag nach der Geburt eine weitere Zeremonie statt. Der Vater übergibt einem Kohen ein Lösegeld und erhält dafür sein Kind zurück.

Bar Mizwa (Religiöse Mündigkeit des Knaben)

Mit dreizehn Jahren wird der Knabe ein „Sohn der Pflicht“, das bedeutet, dass er alle Rechte und Pflichten eines Mitglieds der jüdischen Gemeinschaft übernimmt und dass sein Vater für ihn hinsichtlich der Erfüllung der religiösen Erfüllung nicht mehr verantwortlich ist. Im Rahmen einer Familienfeier wird der Knabe zum ersten Mal zur Vorlesung aus der Thora (5 Bücher Mose) in der Synagoge aufgerufen und erhält auch an diesem Tag die Gebetsriemen.

Chatuna (Hochzeit)

Das nächst größere Ereignis im Leben eines Menschen ist die Eheschließung. Nach Ansicht des Judentums gilt die Ehe als ein religiöses Gebot. Die jüdische Trauung wird unter einem Baldachin vollzogen, wobei der Bräutigam der Braut „nach dem Gesetz Moses und Israels“ den Trauring über den Finger streift. Das Paar trinkt aus einem Kelch nach sieben Segenssprüchen den Wein der Freude; ein Glas wird zertreten, um auch im Augenblick der Freude an die Zerstörung des Tempels zu gedenken.

Tod und Bestattung

Der Mensch ist von G`tt zum Leben erschaffen, darum muss alles getan werden das Leben zu erhalten. Bikur Cholim (Krankenbesuch), d.h. die Unterstützung seiner Mitmenschen, insbesondere Armer und Kranker, gilt als religiöse Pflicht. Wenn der Mensch im Sterben liegt, so ist es erstrebenswert, dass er das Sündenbekenntnis spricht, bzw. mit Menschen, die an seinem Krankenbett beten, mitspricht und das Glaubensbekenntnis rezitiert. Mit dem Eintritt des Todes beginnt für die nahen Angehörigern eine Zeit der Trauer, die die Periode bis zur Bestattung umfasst. Die Chewra Kadischa (Heilige Verein) kümmert sich um die Vorbereitung der Bestattung, Dazu gehört die Waschung des Verstorbenen, die Einkleidung des Verstorbenen, nach Richtlinien, die peinlichst genau eingehalten werden müssen. Jeder und jede bekommt das gleiche Gewand, jeder bekommt den gleichen einfachen Sarg, der von der Gemeinde geliefert wird. Jeglicher Pomp bei der Bestattung und bei allem, was mit ihr zusammenhängt, ist untersagt. Die Bestattungszeremonie beginnt mit einer Trauerfeier auf dem Friedhof, in einem dafür vorgesehenen Raum. Es wird eine Trauerrede von einem Rabbiner gehalten, Dann folgt ein Gebet, das als Zidduk ha-din (Anerkennung der g`ttlichen Gerechtigkeit) bezeichnet wird. Daran schließt sich dann ein Gebet für das Seelenheil des Toten an; seine Seele möge Ruhe und Frieden finden. Dann wird von den Trauernden, den nahen Verwandten des Verstorbenen, die so genannte Kria vorgenommen, sofern sie nicht gleich nach dem Tod ausgeführt wurde. Danach wird der Sarg zu dem bereits ausgehobenen Grab gebracht. Der Gang von der Trauerfeier zum Grabe wird mehrmals unterbrochen, um die Mühsal dieses Weges aufzuzeigen, wobei der 91. Psalm rezitiert wird. Nachdem die Grabstelle erreicht ist, wird der Sarg hinab gelassen. Alle Anwesenden werfen drei Hände Erde auf den Sarg, wobei sie jedes Mal sprechen: „Von Staub bist du und zu Staub wirst du zurückkehren“ (1. Buch Moses Kap. 3,19). Wenn der Sarg völlig mit Erde Bedeckt ist, sprechen die Trauernden das Kaddischgebet, dann spricht man den Trauernden tröstende Worte zu, wofür es eine feste Formel gibt. Bevor man den Friedhof verlässt wäscht man sich die Hände.

Trauer

Mit der Beerdigung endet der erste Trauerzustand, während dessen die Hinterbliebenen von allen religiösen Pflichten entbunden sind, und es beginnt die Trauerzeit, die in mehrere Abschnitte zerfällt: Zunächst die Trauerwoche (Schiwa), dann der Trauermonat (Schloschim) und schließlich, nur nach dem Tod der Eltern, das Trauerjahr. Für die Schiwa besteht die Vorschrift das Haus nicht zu verlassen, keine festen Schuhe zu tragen und auf niedrigen Schemeln zu sitzen. Man soll nicht arbeiten und sich auch nicht dem Studium der Thora widmen, da dies als Freude erachtet wird.

Rabbiner B.D. Soussan Magdeburg / Dessau